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Vor einigen Tagen hat uns diese Geschichte aus Österreich erreicht!

Nachdem ich diesen Tatsachenbericht gelesen hatte, muss ich zugeben, war es mir schon etwas flau im Magen. Ich kenne das Gefühl! Es kommt immer wieder zum Vorschein, wenn ich Unfallbereichte lese. Deshalb will ich Euch diesen "Unfallbericht" nicht vorenthalten:


Die Taucherin schrieb mir folgendes:

Vor 13 Jahren war ich in der Türkei - Marmaris - im Urlaub. Tauchen hat mich schon seit meiner Kindheit interessiert und daher war es für mich klar, dass ich dort mal einen Schnuppertag machen werde. Was ich Dir erzähle ist wirklich kein Scherz!

Ich hatte keine Ahnung, wie es funktioniert und was alles passieren kann. Wir sind mit dem Boot hinausgefahren und mein TL meinte, sollte ich mal auftauchen müssen, immer die Luft ausatmen. Ich wusste eigentlich überhaupt nicht, was er damit meinte.

Gesagt - getan. Anzug an, Flasche drauf und ab in die Fluten. Mein Tauchlehrer hat mich dann nach unten gebracht und ist dann immer ziemlich weit vor mir getaucht. Hat mir Spaß gemacht, doch irgendwie hat es um mich herum immer nur so gezischt. Plötzlich war das Zischen vorbei - und auch meine Luft!

Ich bin dann nach vorne zum Tauchlehrer gepaddelt und hab´ ihm mal zu erklären versucht, dass ich keine Luft mehr hatte (Zeichen wusste ich ja noch keine). Einen zweiten Automaten hatte er nicht, von Wechselatmung hatte ich keine Ahnung und vor allem bekam ich mittlerweile totale Luftprobleme. Er gab mir Luft, zeigte mir seinen Tiefenmesser - man beachte, wir waren auf 32 Meter - gut für einen absoluten Anfänger, oder? Als wir dann auf ca. 20 Meter waren, hat er mein Jacket aufgeblasen, mir das Blei abgenommen und ich bin wie eine Rakete nach oben geschossen. Auf dem Weg nach oben ist mir dann eingefallen, was ich am Vormittag gehört habe, so mit Ausatmen, aber das Ganze hat überhaupt nicht richtig funktioniert, denn 20 Meter sind ein weiter Weg nach oben, vor allem, wenn Dir die Luft ausgeht.

Na ja, irgendwann war ich dann oben - es dauerte eine Ewigkeit. Aber für mich war ja jetzt alles wieder in Ordnung, ich hatte ja endlich wieder Luft. Was aber wirklich in meinem Körper vorgegangen ist, davon hatte ich damals keine Ahnung.

Mein Tauchlehrer tauchte dann auf und meinte, als wir wieder am Boot waren, ich sollte doch mal ausspucken. Das haben wir so eine Viertelstunde gemacht - (kannst Dir ja denken, was er schauen wollte, bei einem Lungenriss hätte ich sicherlich Blut gespuckt), dann haben wir uns eine neue Flasche genommen, sind auf 35 Meter abgetaucht und haben alle Dekostops "ordnungsgemäß" erledigt.

Wenn ich heute noch daran denke, dann stellt es mir heute noch sämtliche Haare auf - Wahnsinn, was da hätte passieren können.

Gitti


Ob Ihr es glaubt oder nicht ...

auch beim Schnuppertauchen gibt es genaue Abläufe und festgelegte Inhalte, die den "Neulingen" erklärt werden müssen, bevor sie in Wasser gehen! Als Beispiel werde ich kurz das "Schnuppertauchen im Freiwasser" beschreiben, wie es Padi seinen Tauchlehrern vorschreibt.

Inhalte der Theorie und der Videokassette:

  • Die Tauchschüler müssen wissen, dass sie keinen Tauchschein gemacht haben
  • Sie müssen Druckveränderungen während des Tauchens beschreiben können
  • Sie müssen den Druckausgleiche (in allen Hohlraümen) durchführen, deren Sinn erklären und auch wissen, was zu tun ist, wenn Schmerzen auftreten
  • Sie müssen die Atemtechnik kennen und die Regeln beim Gerätetauchen beschreiben können
  • Sie müssen die Handzeichen beherrschen
  • Sie müssen wissen, warum man Lebewesen im Wasser nicht berühren soll
  • Sie müssen den Zweck der Tauchausrüstung (Grundbestandteile) incl. Finnimeter nennen und bedienen können

Wenn sie das können, müssen die Teilnehmer am Schnuppertauchen folgendes im begrenzeten Freiwasser bzw. Pool demonstrieren, damit sie überhaupt ins Freiwasser dürfen:

  • die Tauchausrüstung anlegen, einstellen und bedienen
  • die Atemtechnik demonstrieren
  • den Lungenautomaten wiedererlangen und ausblasen können
  • eine teilweise geflutete Maske ausblasen
  • unter Wasser mit Ausrüstung schwimmen
  • den Druckausgleich durchführen
  • die Luftreserve mittels Finnimeter kontrollieren
  • aus der alternativen Luftversorgung (Oktopus) atmen
  • JEDE Ausrüstung braucht eine alternative Luftversorgung!!
  • die Handsignale erkennen und demonstrieren
  • die Technik für einen richtigen Aufstieg demonstrieren

Erst dann darf der Tauchlehrer (nicht der Divemaster oder wer auch immer) mit Ihnen ins Freiwasser gehen.

Die Maximaltiefe beträgt 12 Meter!

Im Freiwasser darf ein Instructor alleine maximal 4 Tauchschüler mitnehmen.

Das Mindestalter ist auf 10 Jahre festgelegt.

(Ich will an dieser Stelle erwähnen, dass es im Ermessen des Instructors liegt, ob er Kinder mit ins Wasser nimmt! Für mich persönlich sind Kinder in diesem Alter fürs Freiwasser viel zu jung!)

Bei dem beschriebenen Fall muss ich einfach noch ein paar Sätze los werden!

Der Tauchlehrer hat die unwissende Schnuppertaucherin ohne die theoretischen Grundlagen und Übungen im begrenzten Freiwasser ins Meer "geschmissen". Er hat sich nicht einmal versichert, ob die wenigen Informationen die er gegeben hat auch verstanden wurden.

Wie es scheint, wurde keiner der obengenannten Punkte eingehalten.

Als dann das "Unglück" seinen Lauf nahm, hat er es unterlassen adäquate Hilfe zu leisten bzw. sie zu einem Arzt zu bringen!

Vielmehr hat er die Tauchschülerin nach 15 Minuten wieder mit ins Wasser genommen, um mit ihr die nachgeholte Dekompression durchzuführen.

Als Padi TL darf ich keine Dekotauchgänge durchführen! Weiterhin muss ich alle Tauchgänge so planen, dass es Nullzeittauchgänge sind.

Wenn ich mit einem Tauchschüler bzw. einem Tauchanfänger im Wasser bin, ist es meine Aufgabe, dass der Schüler die Grenzen der Nullzeit nicht überschreitet - und auch beim schnellen Auftauchen nicht das Risiko einer Deko gegeben ist. (Natürlich ist es nicht möglich die Dekompressionskrankheit 100%ig auszuschließen, aber die RDP - Tauchtabelle gilt als sehr sicher).


Für manche Tauchlehrer und Taucher stellt die Durchführung der nachgeholte Dekompression bzw. der nassen Rekompression kein Problem dar. Deshalb will ich noch einige Zeilen von der Webseite http://www.peter-rachow.de/vd1.htm zitieren:

Ausgelassene Dekompression und kurzes Austauchen

eicht das Atemgas nicht für die ganze Dekompressionsphase sollte man die tieferen Dekostopps noch durchführen (also z. B. auf 12, 9 und evtl. 6 m) um die schnellen Gewebe wie Nerven und Zentralnervensystem zu entsättigen und dann die flacheren Stopps auslassen bzw. auf dieser Tiefe die Flasche vollständig leer atmen.

Besteht die Möglichkeit, ein volles Tauchgerät innerhalb weniger Minuten zu erreichen, so kann eine Toleranzzeit von 2 bis 3 Minuten gerechnet werden, in der der Taucher gefahrlos und ohne Symptome einer DCS in das Wasser zurückkehren kann. Sodann ist die gesamte Dekompressionsphase beginnend mit der tiefsten Deko-Stufe erneut zu durchlaufen. Dieses Vorgehen wird als "nachgeholte Dekompression" bezeichnet, im Unterschied zur "nassen Rekompression".

Ist die Zeitspanne außerhalb des Wassers zu lang und es zeigen sich nach Verlassen des Wassers erste Symptome der DCS, darf nicht wieder abgetaucht werden. Stattdessen ist die Gabe von reinem O2 und eine ruhige Lagerung angezeigt.

Anmerkung: Nasse Re-/Dekompression mit Druckluft Patient atmet aus SCUBA Luft auf 10 bis 15m WT

Abzulehnen weil:

  • Patient in unstabilem (i. e. nicht tauchtauglichen Allgemeinzustand)
  • Gefahr der Auskühlung durch langen Wasseraufenthalt
  • Gefahr der Bewusstlosigkeit oder Erbrechen unter Wasser

Alle Taucher wissen, dass bei der Ausübung ihres Hobbys Unfälle passieren können. Dennoch kann jeder Taucher sein Risiko minimieren. Im Falle eines Schnuppertauchganges ist der Tauchlehrer für die Sicherheit von beiden verantwortlich. In diesem Beispiel ist der Instructor - wenn er überhaupt einer war - sehr leichtsinnig und grob fährlässig mit der Gesundheit seines "Schützlings" umgegangen.

Ich denke, es ist kein Geheimnis, dass auch Divemaster und Rescuediver die Schnuppertauchgänge für die Divecenter durchführen. Diese Taucher haben nicht die Ausbildung dazu, die ersten Tauchgänge mit Anfängern durchzuführen. Sie gehen meist sehr "blauäugig" ans Werk. Bei Zweifeln, ob sie Schnuppertauchen überhaupt durchführen dürften, werden sie oft noch von den Basisleitern / Basisleiterinnen belehrt, dass es sich um "Ressortkurse" handelt und für diese gibt es eigene Standards ...! Leider sagen sie nicht dazu, dass bei diesen "Ressortkursen" oder wie auch immer diese genannt werden, i. d. R. auch kein Haftpflichtversicherungsschutz besteht!

Liebe Divemaster (und die, die es werden wollen)

Bitte lasst Euch nicht von irgendwelchen Menschen Geschichten erzählen, die nicht stimmen! (Was ihr dürft bzw. nicht dürft, wurde Euch im Divemasterkurs ausführlich erklärt). Ganz abgesehen von den psychischen Belastungen, mit denen ihr im Falle eines Unfalles zurechtkommen müsstet - haftet ihr in solchen Fällen persönlich! Es wird mit großer Wahrscheinlichkeit nicht möglich sein, eure Haftpflichtversicherung davon zu überzeugen, dass ihr nicht fahrlässig bzw. grob fahrlässig gehandelt habt!

Liebe Tauchanfänger!

Alles was wesentlich kürzer ist als das, was oben beschrieben wird, sollte Euch misstrauisch machen! Auch wenn Ihr keine erfahrenen Taucher seid, ist doch irgendwie klar, dass wenigstens etwas Theorie und ein paar Übung im geschützten Bereich dazu gehören!

Es kann doch auch ein Nichtautofahrer sagen, dass 150 km/h in der Fußgängerzone zu viel sind, oder?

Sobald ihr ein unwohles Gefühl habt, solltet ihr die "Notbremse" ziehen. Das kann - vor dem Tauchgang in Form von Fragen sein - und wenn dieses Gefühl erst im Wasser aufkommt, könnt Ihr Euch immer noch weigern tiefer zu gehen oder den Tauchgang abbrechen.

Und für alle Anderen, die in solchen Tiefen auch als Anfänger keine Angst verspüren, habe ich diesen Bericht geschrieben, damit sie ihr Leben nicht leichtfertig aufs Spiel setzten.

Liebe Tauchlehrer!

Bitte "verpfeift" alle schwarzen Schafe die so einen Mist verzapfen - nur so können wir den Beruf des Tauchlehrers seriöser machen! Die Tauchausbildung muss gelernt sein, auch wenn es immer noch nicht alle wahrhaben wollen.

Liebe Gitti, vielen Dank, dass Du uns diesen ehrlichen Bericht gemailt hast! Ich freue mich, dass Dir bis auf die negative Erfahrung keine weiteren "Schäden" geblieben sind!